Essgewohnheiten

"Welche Regel galt in Ihrer Kindheit beim Essen?

 

Die Umfrage ergab dann folgendes Resultat: 40 % gaben an, dass sie essen mussten, was auf den Tisch kam. 1/3 musste mindestens von allem probieren. 13 % mussten alles essen, was sie selber geschöpft hatten. Nur lediglich 10 % durften wählen, was sie essen wollten und was nicht."

Ich zähle mich zu den 40 %. Bei uns Zuhause gab es kein Wunschkonzert. Meiner Mutter stand nicht viel Haushaltsgeld zur Verfügung. Einkaufen ging man auch nur einmal in der Woche. Da wir eher ein minimales Budget hatten, reichte es in der Metzgerei meist nur für Servelats oder Schweineleber; eben nur für billiges Fleisch. Meine Mutter verstand es jedoch, aus einfachen Zutaten etwas Leckeres auf den Tisch zu zaubern.

Meistens wurden mir und meinem Bruder geschöpft. Es galt als "unanständig und fast ein bisschen respektlos", wenn nur der halbe Teller leer gegessen wurde. Meist konnte mein Bruder mit einem anschliessenden versprochenen Dessert dazu bewogen werden, die Hauptmahlzeit wegzuputzen! Denn er liebte süsse Nachspeisen. Heute macht er es mit seinen eigenen Kindern auch so. Ein Glück, wenn sie ebenso Süsses mögen!

Bei mir funktionierte diese Methode nicht, da ich nicht "Dessert-lastig" bin. Aber ich habe trotzdem immer aufgegessen.

Ja, ich möchte behaupten, dass ich und mein Bruder "gute Esser" geworden sind. Ich mag Hausmannskost ebenso wie die italienische oder thailändische Küche und noch viele mehr. Als Gäste sind wir deshalb immer stets willkommen. Die Gastgeber freuen sich über gute Esser und wir schätzen einfach gutes Essen!

Um noch einmal auf die Aussage zurück zu kommen: was auf den Tisch kommt wird gegessen, hat sicher auch Nachteile: es kommt zuweilen vor, dass ich das Gefühl habe, ich müsste heute immer noch - besonders in Restaurants - alles aufessen. Meist führt dies zu Unwohlsein oder sogar zu Bauchschmerzen.

Welche Erziehungsmethode ist nun die Richtige? Natürlich spreche ich für die Methode, die ich selber erfahren habe. Wir haben gelernt, von allem zu probieren und nicht "schnäderfrässig" zu sein.

Meiner Mutter wäre es nie in den Sinn gekommen, für uns Kinder ein separates Menü zu kochen. Heute, wenn sie Enkelbesuch bekommt, kocht sie natürlich dass, was der kleine Gast am liebsten mag. Ich denke, so wie wir es gelernt haben, so haben wir es heute einfacher.

Herzlichst Manuela Baumgartner